Die Ostsee (auch Baltisches Meer genannt, von lat. Mare Balticum) ist ein bis 459 Meter tiefes und 413.000 km² großes Nebenmeer des Atlantischen Ozeans in Europa und gilt als das größte Brackwassermeer der Erde.

Lage
Die Ostsee trennt die Skandinavische Halbinsel von den zusammenhängenden
Festländern von Nord-, Nordost- und Mitteleuropa. Der nordwestliche Ausläufer,
das Kattegat, grenzt bei Skagen an das Skagerrak. Diese Meerenge an der
Halbinsel Jütland stellt die einzige Meeresverbindung zur Nordsee und damit zum
Atlantik dar.
Entstehung
Die Ostsee entstand gegen Ende der letzten Eiszeit, und zwar der
Weichsel-Eiszeit vor etwa 12000 Jahren. Die Bildung des heutigen
Brackwassermeeres entstand dabei über mehrere Etappen. Die Küstengestaltung
erfolgte durch ein Zusammenspiel von Landhebung und Meeresspiegelanstieg. Vor
12000 Jahren war der nordeuropäische Kontinent von riesigen Gletschermassen
bedeckt, die sich teilweise bis Norddeutschland ausdehnten. Infolge des
damaligen Klimaumschwunges zogen sich die Eismassen in Richtung Skandinavien
zurück. Als der Eisrand nach Abschmelzen der randlichen Inlandeismassen auf der
Höhe von Aland, nördlich von Stockholm, lag, bildete sich in seinem Vorland der
Baltische Eisstausee (vor 12000 - 10200 Jahren). Die nächste Etappe erfolgte
durch die Bildung des Yoldia-Meeres vor ca. 10200 - 8900 Jahren. Das Yoldia-Meer
entstand durch den starken Meerwasserspiegelanstieg, der schließlich eine
Verbindung zum Weltmeer in der Nähe der mittelschwedischen Seenplatte schuf. Nun
erfolgte ein Süßwasserausstrom und ein Salzwassereinstrom. Mit der Zeit hob sich
das skandinavische Festland im höheren Maße als der Meerwasserspiegel anstieg.
Die Gletscher zogen sich zurück, der Druck auf die skandinavische Landmasse nahm
ab, so dass sie sich zu heben begann. Infolge dessen wurde die Seeverbindung
wieder blockiert und es entstand der Ancylus-See vor ca. 8900 - 7000 Jahren. Die
Großformen der Küsten im südlichen Bereich der Ostsee enstanden durch die
Litorina-Transgression vor ca. 7000 - 2500 Jahren. Diesmal öffnete sich der
Zugang in der Nähe der Darßer Schwelle vor der deutschen Küste. Die
Festlandbrücke zwischen Südschweden und Dänemark wurde überflutet und der Osten
Dänemarks löste sich in die heutigen Inseln auf. Die Gletscher waren nun fast
vollständig geschmolzen. Aber das Festland von Skandinavien hob sich anhaltend,
sodass sich die Küstenlinie nachhaltig veränderte. Als Ausgleich senkte sich der
südliche Bereich der Ostsee. Das vorrückende Meer überflutete die jungglaziale
Landschaft und formte sie dabei um. Als Ergebnis findet man drei Küstenformen im
südlichen Bereich wieder: Fördenküste (Bsp. Kieler Förde), Buchtenküste (Bsp.
Lübecker Bucht) und die Bodden- bzw. Boddenausgleichsküste (Bsp. Darß).
Abgrenzung & Gliederung
Abgrenzung:
Begrenzt wird die Ostsee durch Schweden, Finnland, Russland, Estland, Lettland,
Litauen, Polen, Deutschland und Dänemark.
Der nördlichste Punkt der Ostsee befindet sich an der schwedisch-finnischen
Landesgrenze am Bottnischen Meerbusen, ihre östlichste Stelle beim russischen
Sankt Petersburg. Ihr südlichster Punkt stellt das Südende der Wismarer Bucht
bei der Hansestadt Wismar dar, die westlichste Stelle liegt am Westende der
Flensburger Förde bei der Stadt Flensburg.
Gliederung:
Die Ostsee, in der zahlreiche Meeresbuchten, Förden, Meerengen, Inseln,
-gruppen, -ketten & Eilande liegen, lässt sich grob in folgende größere Bereiche
unterteilen:
Vordere Ostsee
Die Vordere Ostsee umfasst das Kattegatt nördlich der Meerengen Öresund, Großer
und Kleiner Belt zwischen Dänemark, Deutschland und Schweden.
Zentrale Ostsee
Die Zentrale Ostsee reicht unter Einschluss der Westlichen- und Südlichen Ostsee
von der deutschen Ostseeküste im Westen bis etwa zur Linie
Stockholm-Åland-nordwestliches Estland.
-
Meeresbuchten & Förden:
alphabetisch sortiert
- Flensburger Förde:
- Geltinger Bucht
- Wenningbund
- Kieler Bucht:
- Eckernförder Bucht
- Hohwachter Bucht
- Kieler Förde
- Schlei
- Mecklenburger Bucht:
- Lübecker Bucht
- Wismarer Bucht
- Pommersche Bucht:
|
Meerengen:
alphabetisch sortiert
- Großer Belt
- Kleiner Belt
- Öresund
Eimündende Flüsse & Ströme:
alphabetisch sortiert
- Große Fließgewässer sind:
- Weitere - siehe Zuflüsse
|
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Inseln, -gruppen, -ketten & Eilande:
alphabetisch sortiert
- Große Inseln sind:
- Bornholm
- Fehmarn
- Gotland
- Hiddensee
- Hiiumaa
- Öland
- Rügen
- Saaremaa
- Usedom
- Weitere - Inselwelt
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Nordöstliche Ostsee
Die Nordöstliche Ostsee umfasst den Finnischen Meerbusen zwischen
Estland, Finnland und Russland.
Nördliche Ostsee
Die Nördliche Ostsee stellt den Bottnischen Meerbusen dar (von Åland
nordwärts), zwischen Finnland und Schweden.
Daten
Größe
- Ausdehnung: 413.000 Quadratkilometer
- Wasservolumen: 21.600 Kubikkilometer
Meerestiefe
- Maximale Tiefe: 459 m Landsorttief (siehe hierzu auch: Meerestief)
- Zweittiefste Stelle: 259 m Gotlandtief
- Durchschnittliche Tiefe: 52 m
Salinität
Der Salzgehalt (Salinität) der Ostsee schwankt zwischen über
2,5 % im Skagerrak und 0,5 % - 0,3 % im nordöstlichen Teil (Bottenwiek und
Finnischer Meerbusen). Dabei ist der Abfall im Salzgehalt nicht kontinuierlich,
sondern eher sprunghaft. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass das
Bodenprofil der Ostsee durch die Eiszeiten bedingt in Becken unterteilt
ist. Der größte Sprung in der Ostsee-Salinität findet an der Darßer
Schwelle nördlich von Rostock statt, die zwischen Belt und Arkona-Becken
liegt. Hier sinkt die Salinität von circa 1,7 % auf 0,8 %. Der Grund für die
sprunghaften Salinitätsunterschiede liegt in der unterschiedlichen Dichte von
Salz- und Süßwasser, die zu einer Schichtbildung führt. Das schwere Salzwasser
sinkt auf den Grund des Meeres und sammelt sich in den eben genannten Becken.
Die Schwellen zwischen diesen Becken können vom Salzwasser nicht ohne weiteres
überwunden werden.
Namensgebung und -deutung
Die Ostsee, die auch Baltisches Meer bzw. Baltische See genannt wird und lat.
Mare Balticum heißt, wurde nach dem gotischen Volk der Balthi im Ersten
Jahrtausend als Mare Balt(h)icum bezeichnet. Balt bedeutet gotisch kühn;
litauisch weiß. Ein weiterer Name der Ostsee ist "Aestenmeer" nach dem Volk der
Aesten, den baltischen Prußen, die an Weichsel und Memel lebten. Die Aesten
wurden von Tacitus in Germania als die am weitesten östlich am Mare Suebicum
lebenden Menschen beschrieben, aber sie sprachen keltisch. Suebisch bezog sich
auf den germanischen Sammel-Stamm der Sueben, die zusammen mit den Goten (unter
anderem den Balthi) an der Ostseeküste bis ins Baltikum wohnten. Im 19.
Jahrhundert benannte Ferdinand Nesselmann die Sprachen der Prußen, Litauer,
Letten usw. als Baltische Sprachen.
Wasserstraßen
Im Osten ist die Ostsee über die Newa und verschiedene Wasserstraßen
mit der Wolga, dem Weißen, Schwarzen, Asowschen und dem Kaspischen Meer
verbunden.
Klima
Der Südteil der Ostsee befindet sich in der gemäßigten Klimazone, die bei
Dänemark noch ausgesprochen maritime Züge trägt, nach Osten hin jedoch im
Bereich des Kontinentalklimas liegt. Der nördliche Teil, insbesondere der
Bottnische Meerbusen, ist geprägt durch das kalte Klima der borealen
Nadelwälder. Ihr nördlichster Punkt liegt unweit des Polarkreises. Weil die
Ostsee vom klimabeeinflussenden Golfstrom abgekoppelt und ihre Fläche recht
klein ist, aufgrund geringer Verdunstung und reicher Süßwasserzuführung der
Salzgehalt außerdem sehr niedrig liegt, kann sie nur sehr geringfügig zum
klimatischen Ausgleich beitragen; sie entwickelt kein eigenes maritimes Klima.
Daher vereist sie jeden Winter und verursacht dann sogar eine Verstärkung des
kontinentalen Klimas. Hafenstädte wie Oulu in Finnland zählen bis zu sechs
vereiste Monate pro Jahr. Eisschichten können in kalten Wintern auch an der
deutschen Küste Mächtigkeiten erreichen, dass Personen darauf spazieren gehen
können. Nur einige Inseln wie Bornholm profitieren von einem ungewöhnlich milden
Mikroklima.
Inselwelt
Die Ostsee ist so reich an Inseln, Inselgruppen und -ketten sowie bewohnten
und unbewohnten Eilanden, dass ihre Zahl nicht exakt genannt werden kann, weil
die Definitionen auseinander gehen, wonach eine Insel und ein Eiland
unterschieden werden.
Größere Inseln in der Ostsee sind Gotland und Öland (schwedisch), Åland
(finnisch), Hiiumaa und Saaremaa (estnisch), Wolin (polnisch), Usedom
(dt./pol.), Rügen, Hiddensee und Fehmarn (dt.) sowie unzählige dänische Inseln,
beispielsweise Seeland, Fünen, Lolland, Bornholm.
Åland
Ein Inselstaat in der Ostsee ist das autonome Åland, das politisch zu
Finnland gehört, aber überwiegend von schwedisch sprechenden Menschen finnischer
Staatsangehörigkeit bewohnt sind. Sie führen eine eigene Flagge und gelten im
Nordischen Rat als eigene Nation.
Dänemark
Deutschland
Auf der dänischen Ostseeinsel Seeland befindet sich eine Weltstadt:
Kopenhagen. Und im nahen Roskilde befindet sich auf der selben Insel ein
Weltkulturerbe: Die Domkirche von Roskilde. Seeland ist die größte Insel des
Königreichs und inzwischen durch eine Brücke und einen Tunnel mit Schweden und
durch eine andere Brücke mit der zweitgrößten dänischen Insel Fünen verbunden.
Ein Großteil der Dänen lebt auf Ostseeinseln, und addiert man ihre Fläche
zusammen, so besitzt Dänemark das größte Inselreich dort. Die meisten Inseln
liegen im beliebten Segelrevier der dänischen Südsee. Dort befinden sich größere
Inseln wie Lolland, Falster, Møn, Langeland, Ærø und Alsen. Weiter östlich
besitzt das Land mit Bornholm seinen östlichsten Außenposten.
Zu den kleinsten bewohnten dänischen Ostseeinseln gehören die Ochseninseln in
der Flensburger Förde. Sie liegen unmittelbar an der deutsch-dänischen Grenze
und sind ein beliebtes Ausflugsziel.
Siehe auch:
Liste deutscher Inseln
Estland
Estlands größte Insel, und gleichzeitig die größte Ostseeinsel des Baltikums
ist Saaremaa (Ösel). Zweitgrößte estnische Insel ist Hiiumaa (Dagö).
Daneben gibt es noch die Insel Kinhu.
Siehe auch:
Liste der Inseln Estlands
Finnland
Die Zahl der finnischen Ostsee-Inseln und Eilande wird mit etwa 80.000
angegeben. Darin sind aber die vielen Tausend von Åland ebenso enthalten wie
dessen Schären. Der Rest sind zumeist Schären, die nicht zu Åland gehören. Da
Åland politisch aber zu Finnland gezählt wird, besitzt es, so gesehen, eine
bedeutende Inselwelt in der Ostsee.
Die Festung Suomenlinna liegt auf den Inseln vor Helsinki. Damit hat Finnland
ein insulares Weltkulturerbe in der Ostsee.
Litauen
Litauen hat keine Inseln in der offenen Ostsee, dafür aber im Kurischen Haff:
Kiaulės Nugara (dt.: "Schweinerücken") bei Klaipėda sowie Rusnė und einige
andere im Memeldelta. Der litauische Teil der Kurischen Nehrung hat keine
Landverbindung mit Litauen selber. Von Klaipėda muss man mit der Fähre
übersetzen. Pläne für eine Brücke wurden/werden immer mal wieder angedacht,
stehen aber im Konflikt zum Status der Landzunge als Nationalpark und
Weltkulturerbe. Auf dem Landweg ist die Nehrung nur von Russland (Oblast
Kaliningrad) aus zu erreichen.
Polen
Polen teilt sich Usedom mit Deutschland. Diese Ostseeinsel ist also geteilt
und damit gleichzeitig die einzige Ostseeinsel, die zu zwei Staaten gehört. Ganz
zu Polen gehört die Nachbarinsel Wollin. Daneben gibt es eine Reihe kleinerer
Inseln im Stettiner Haff.
Siehe auch:
Liste polnischer Inseln
Russland
Russland besitzt mit Kotlin vor St. Petersburg eine historisch wichtige
Insel. Sie ist besser bekannt unter dem Namen Kronstadt der gleichnamigen Stadt
und Festung.
Schweden
Die größte Ostseeinsel ist das schwedische Gotland. Hier wird noch heute eine
eigene vom Gotischen abstammende Sprache, das Gutamål, gesprochen. Wichtig ist
auch die zweitgrößte schwedische Insel Öland. In Schweden liegen tausende
kleiner Schären, die teilweise bewohnt sind.
Die Hauptstadt von Gotland, Wisby, ist ebenso Weltkulturerbe wie die südliche
Landschaft Ölands.
Küstenformen
Die Küstenformen der Ostsee sind ein Resultat eiszeitlicher
Gletscherbewegungen und nach-eiszeitlicher Geländehebung im nördlichen und
-absenkung im südlichen Bereich der Ostsee, die bis heute andauern. Beeinflusst
werden die Küsten außerdem durch die Lage in der Westwindzone, wodurch von
Westen her beständig Sedimente angeschwemmt werden. Unterschieden werden
folgende Erscheinungsformen:
Fjordküste
Auch an der Ostsee finden sich Fjorde: Sie kommen vor allem an den Küsten des
Kattegats, das heißt in Dänemark und im südwestlichen Schweden vor. Im
Unterschied zu den norwegischen Fjorden sind sie weniger tief eingegraben, weil
die Eisdecke hier nicht so mächtig war.
Schärenküste
Die schwedisch-finnische Küste in der Zentralen, Nördlichen und Östlichen
Ostsee ist fast ausschließlich eine Schärenküste; ab und zu findet man noch
vereinzelte Fjorde ("Fjord-Schären-Küste"). Schären sind der Küste vorgelagerte,
kleine und kleinste felsige Inseln, die durch den Abschleifeffekt der Gletscher
eine charakteristische Kuppenform aufweisen. Weil die Ostsee nur geringe
Gezeiten aufweist, sind sie über die letzten Jahrtausende praktisch unverändert
geblieben. Das flach abfallende Gelände wurde beim Abschmelzen des Eispanzers
überflutet und die Kuppen ragten fortan als Inseln heraus; durch die
Geländehebung sind mit der Zeit weitere, vorgelagerte Schären entstanden.
Kliffküste
In einigen Fällen, zum Beispiel auf Gotland oder Bornholm, haben sich
Kliffküsten gebildet. Diese ragen als Steilküsten schroff hervor und markieren
Geländebrüche im geologischen Untergrund. Kliffkanten finden sich auch unterhalb
des Meeresspiegels. Auch die Nordküste Estlands zum Finnischen Meerbusen hin ist
durch solch eine Bruchlinie geprägt. Von West nach Ost rückt dieses Kliff immer
näher an die aktuelle Küstenlinie heran und erreicht bei Sillamäe immerhin knapp
60 m Höhe.
Fördenküste
In Schleswig-Holstein, etwa von Flensburg bis Lübeck, ist der Küstenabschnitt
durch Förden gekennzeichnet. Förden sind die Flensburger Förde, die Schlei, die
Eckernförder Bucht und die Kieler Förde. Diese sind bei der Entstehung der
Ostsee durch den Anstieg des Meeresspiegels vollgelaufene ehemalige
Gletschertäler. Der Unterschied zu Fjorden besteht darin, dass die Gletscher
sich nicht vom Land zur See bewegten, sondern umgekehrt der Eispanzer über der
heutigen ‘‘Ostsee’’ Gletscher vorantrieb, die nach dem Abschmelzen eine Rinne
übrig ließen, die sich mit Seewasser füllte. Die Schleswig-Holsteinischen Förden
werden von den Landschaften Angeln, Schwansen und Dänischer Wohld getrennt.
Zwischen der Kieler Förde und der ihr vorgelagerten Kieler Bucht einerseits und
der Lübecker Bucht als Teil der Mecklenburger Bucht andererseits liegt die
Probstei und die Halbinsel Wagrien mit der Insel Fehmarn. Der Hemmelsdorfer See
bei Timmendorfer Strand ist ebenfalls eine alte Förde. Er ist wesentlich tiefer
als die durch eine eiszeitliche Landbarriere abgeschnittene, davorliegende
Lübecker Bucht.
Boddenküste
Die mecklenburgisch-vorpommersche Küste ist durch Boddenlandschaften geprägt.
Bodden sind dadurch entstanden, dass vormalige Inseln durch stetige Zuführung
von Material, hauptsächlich Sand, durch schmale Brücken miteinander verbunden
worden sind. Die rückwärtigen Gewässer, die Bodden, sind dadurch größtenteils
von der Ostsee abgetrennt worden und mit ihr nur noch durch Rinnen verbunden.
Ausgleichsküste
Die Ausgleichsküste bestimmt die Küstenlinie Polens von Stettin bis kurz vor
Danzig und die lettische Küste. Hier sind die typischen reich gegliederten
glazialen Küstenformen durch die Anströmung und den Sedimenttransport von Westen
her ausgeglichen worden, so dass der Verlauf fast gerade ist. Dies ist möglich
geworden, weil die von der Nordsee hereinströmenden Wassermassen auf eine
Küstenlinie treffen, die von Südwest nach Nordost verläuft und dadurch
Transportmaterial anlagert.
Haffküste
Die Haff- oder Nehrungsküste ist im Küstenabschnitt zwischen Danzig und Klaipėda
entstanden. Außerdem wird das Stettiner Haff ebenfalls hinzu gezählt. Haffs
entstehen vor Flussmündungen als Brackwasserreservoire, die durch schmale
Landzungen, die Nehrungen, von der übrigen Ostsee größtenteils abgetrennt
wurden. Durch die ständige Zufuhr von Flusswasser schließen sich die Nehrungen
nicht, sondern bleiben als langgestreckte Halbinseln bestehen, die eine Rinne
zum Meer offen lassen.
Die bekanntesten Haffe sind das Kurische und das Frische Haff. Eine
(unvollständige) Nehrung bildet auch der Haken von Hela bei Zoppot.
Zuflüsse
Die größten Flüsse, die in die Ostsee münden, sind: Oder (Deutschland, Polen),
Weichsel (Polen), Memel (Litauen), Düna (Lettland), Torneälven (Schweden) und
Newa (Russland).
Häfen und Verkehr
Wichtige Häfen sind Kopenhagen, Malmö, Stockholm, Helsinki, Sankt Petersburg,
Tallinn, Liepaja, Klaipėda, Kaliningrad (ehem. Königsberg), Danzig, Stettin,
Rostock, Lübeck, Kiel und Flensburg.
In der Mitte der südlichen Ostsee verläuft eine der wichtigsten
Seeschifffahrtsrouten weltweit, die so genannte Kadetrinne. Sie ist dicht
befahren und war in der Vergangenheit gelegentlich im Zusammenhang mit Havarien
in den Schlagzeilen.
Eine besondere Rolle für den Verkehr auf der Ostsee spielen die vielen
Fährverbindungen sowie die großen Brücken, die in Skandinavien zum Teil größere
Meerengen überspannen.
Die meistbefahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Erde ist der
Nord-Ostsee-Kanal, welcher die Ostsee mit der Nordsee verbindet, und so den
Seeweg über Kattegat (Ostsee) und Skagerrak (Nordsee) abkürzt. Er führt in
Schleswig-Holstein von Kiel nach Brunsbüttel zur Elbe.
Geschichte
Vorgeschichte
Die Ostsee ist erdgeschichtlich ein junges Nebenmeer des Nordatlantiks. Man
schätzt, dass sie etwa vor 12000 bis 5000 Jahren durch das Abschmelzen des
nordischen Inlandeises nach den Eiszeiten des Pleistozän entstanden ist, als
sich das "Baltische Becken" mit Schmelzwasser füllte. Das Eis transportierte in
der folgenden Zeit eine große Menge an Geröll ins Inland. Deshalb findet man an
manchen Stellen Kies oder Löß, die vorher in der Ostsee zu finden waren.
Altertum
Die Ostsee wird vor fast 2000 Jahren in der Germania des Tacitus als
Mare Suebicum erwähnt, das er als Teil des die Erde umgebenden Ozeans
ansah. (siehe hierzu
Namensgebung & -deutung).
Schon aus damaliger Zeit sind
weit verzweigte Handelswege belegt, über die der begehrte Bernstein, der an der
Ostseeküste häufig gefunden wurde, in alle Teile des Römischen Reichs gelangte.
Exportwaren waren weiterhin Felle und Pelze. Umgekehrt gelangten römische
Erzeugnisse wie Keramikwaren, Wein und Öl nach Norden.
Hansezeit
Im Hochmittelalter spielte die Ostsee eine immense Rolle als Verkehrs- und
Handelsweg in Europa. Die in Nachbarschaft der Ostsee liegenden Städte schlossen
sich zum Bund der Hanse zusammen und brachten es dabei zu großem Reichtum.
Wichtigste Hansestädte an der Ostsee waren Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund,
Stettin, Danzig, Königsberg, Memel, Riga, Reval und Nowgorod.
Neuzeit
Im Dreißigjährigen Krieg versuchte Schweden, über die Ostsee hinweg
Großmachtpläne zu verwirklichen. Infolgedessen gehörten auch lange später noch
viele südlich der Ostsee gelegene Landstriche (Vorpommern, Wismar) zu Schweden.
In den Nordischen Kriegen gelang es Russland, von Osten her Anschluss an die
Ostsee zu bekommen. Zar Peter der Große ließ im Mündungsdelta der Newa die neue
Reichshauptstadt Sankt Petersburg erbauen, die für das Land ein "Fenster nach
Europa" darstellte.
Im 20. Jahrhundert war die Ostsee während der Weltkriege Schauplatz zahlreicher
bewegender Vorfälle. Die Ostseehäfen waren gegen Ende des Ersten Weltkrieges
Orte, in denen Geschichte geschrieben wurde: Die Sankt Petersburg vorgelagerte
Festungsinsel Kronstadt war der Schauplatz eines Matrosenaufstandes gegen die
russische Revolutionsregierung. Die Revolte wurde unter Einsatz von
Kriegsschiffen blutig beendet. In den allerletzten Kriegstagen meuterten die
deutschen Marineeinheiten in den Häfen von Kiel und Flensburg gegen einen
sinnlosen Befehl der Obersten Heeresleitung, die Flotte zu einer militärisch
nicht mehr entscheidenden Schlacht ausrücken zu lassen. Der Matrosenaufstand von
1918 weitete sich zu einer Revolution in ganz Deutschland aus und führte zum
Sturz der Monarchie.
Im Zweiten Weltkrieg wurden in der Ostsee einige Kämpfe zwischen deutschen und
sowjetischen Flotten- und U-Boot-Verbänden ausgefochten. Zu Kriegsende war fast
die gesamte schiffbare Fläche vermint, so dass die Personenschifffahrt
eingestellt wurde. 1945 wurde gleichwohl versucht, die in Kurland, Ostpreußen
und Hinterpommern eingeschlossenen deutschen Truppen, aber auch die flüchtende
Zivilbevölkerung, über die Ostsee zu evakuieren. Besonders tragisch war die
Versenkung des ehemaligen KdF-Schiffes Wilhelm Gustloff, das fast ausschließlich
Zivilisten an Bord hatte. Das Schiff sank nach mehreren Treffern sowjetischer
Geschosse und riss schätzungsweise 7000 Menschen in den Tod, die entweder
ertranken oder im eiskalten Wasser bald erfroren. Es war - gemessen an
Menschenleben - eine der größten Schiffskatastrophen aller Zeiten.
Auch der Kalte Krieg forderte Opfer in der Ostsee: Es gab mehrere Versuche von
DDR-Bürgern, über die Ostsee in den Westen zu flüchten. Die meisten scheiterten
und endeten oft genug tödlich, es gab aber auch erfolgreiche Fluchten sogar mit
Surfbrettern.
Wirtschaft & Tourismus
Der Ostseeraum, die Küsten und Inseln der Ostsee, ist vielfach vom Tourismus
geprägt, der neben der Werftindustrie und dem Handel der wichtigste
Wirtschaftssektor ist: Ein wichtiger Bereich des Fremdenverkehrs ist der
Badeurlaub in Seebädern. Er ist von einer für den Ostseebereich typisch-starken
Saisonalität gekennzeichnet, welche die Monate Juli und August als Schwerpunkt
haben. Andere Angebotsformen, wie Wellness, Fahrrad- oder Kulturtourismus
entwickeln sich langsam.
Literatur
- Hansjörg Küster: Die Ostsee, Eine Natur- und Kulturgeschichte. C.
H. Beck Verlag, München 2002. ISBN 3-406-49362-9
- Gerhard Rheinheimer: Meereskunde der Ostsee, Springer Berlin 1996.
ISBN 3540593519
- Liedl, Florian et al.: Die Ostsee. - Verlag Die Werkstatt, 1992: 187 S.
ISBN 3-923478-59-3
Weblinks
Quwelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ostsee
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